Bergans Wiglo für 10 bis 12 Personen
Zeltkauf: Aber richtig

Um möglichst ein passgenaues Zelt für die individuellen Anforderungen zu finden, bedarf es wenigen aber wichtigen Überlegungen.

Immer noch stellen wir fest, dass Zelte nach Preis und Farbe gekauft werden würden, wenn wir nicht mit unserer Beratung im Shop zur Seite stehen. Ganz klar ist natürlich, dass sich Profis dessen längst bewusst sind und weniger Hilfe benötigen. Aber warum sollen “Freizeit-Camper” ihr gutes Geld ohne Recherche rauswerfen. Deshalb kauft man ja auch beim Fachhändler – wegen der Beratung! Es steht Euch frei auch bei einem namenhaften Kaffeehersteller Kunde zu werden. Die Erfahrungen zeigen aber leider, wenn dann Probleme mit dem Zelt auftreten ist das meist außerhalb der Öffnungszeiten. Die Support-Hotline wärmt leider auch im Freien nicht und wenn es zum klemmenden Reißverschluss kommt oder Undichtigkeiten, bleibt in der Wildnis dann oft kein Auge trocken.

Dabei ist es gar nicht schwer das richtige Zelt für die richtigen Ansprüche zu finden. Mit guter Kaufberatung kann man sogar Geld sparen, weil man so nur das kauft was man auch benötigt. So kann man gewährleisten, dass man lange Freude am Zelt und am Campen hat.

Was ist also wichtig beim Zeltkauf:

1. Einsatzziel

Nur Sie können wissen was Sie mit dem Zelt erleben wollen. Wo Sie es erleben wollen und wie oft. Ihnen ist sicher auch klar, dass man nicht mit einem “Himalaya-Zelt” auf ein Musikfestival fahren muss. Oder mit einem Zwei-Mann-Stöffchen den Versuch unternimmt auf der Zugspitze zu biwakieren. Für ganz Unentschlossene gibt es auch Lösungen. Wichtig ist die Einsatzplanung auch für die Zeltgröße, da man auch Gepäck mit im Zelt verstaut. Der Platzbedarf wird also auch vom Einsatzziel bestimmt und dem Gepäck welches man für diesen Benötigt.

2 Zeltgröße

Es heißt zwar: “Platz ist in der kleinsten Hütte”, dies gilt aber nicht zwangsweise für Zelte. Die Größe von Zelten wird in der Anzahl an Personen, die darin Platz finden angegeben. Es gibt Zelte von 1-Personen-Zelt bis zum 4-Personen Zelt. Größere Familienzelte oder Gruppenzelte heißen dann auch so. Allerdings gibt es seit jeher ein Problem mit dem Platz und dieser Personenangabe. Sie werden es schon ahnen… richtig: Der Platz für das Gepäck ist dort nicht mit eingerechnet. So kann ein 3-Personen-Zelt für 3 Personen mit Gepäck sehr schnell eng werden. Kleiner Retter in der Not kann hier das Apsis werden. Also das überdachte Vorzelt. Abschließend kommen wir mit der Überlegung die Zeltgröße betreffend, zur Zeltart.

3 Zeltart

Die Entwicklung der textilen Bedachungen hat viele Zeltformen hervorgebracht. Je nach Einsatzziel und Personenanzahl. Unterschieden wird hier in erster Linie das Verhältnis von Bodenfläche und Nutzfläche und die Anzahl der Heringe mit der das Zelt theoretisch steht. Längst am Aussterben ist das Firstzelt. Das trägt der geringen Nutzfläche Rechnung. Diese ist beim Firstzelt gerade mal die Hälfte der Bodenfläche. Dazu sind diese noch Windempfindlich und das Aufstellen ist nicht ganz einfach. Freistehen können sie auch nicht.

Das Kuppelzelt ist Freistehend und Heringe werden oft nur verwendet um die Apsiden zu fixieren. Manchmal auch um das Zelt am Boden zu halten und so vor dem Wegfliegen zu schützen, denn Drachenfliegen macht mit Leine mehr Spass. Der jüngere Bruder – obwohl er dennoch fortschrittlicher ist  heißt Geödät. Es ist im Prinzip die weiterentwickelte und ausgereifte Form eines Kuppelzeltes. Großer Unterschied ist dabei, dass beim Geodät gleich 3 Gestängebögen sich an 2 Stellen kreuzen. Bei den Kuppeltzelt ist es einer weniger. Dies macht das Geodät extrem Windstabil. Dennoch haben das Kuppelzelt und das Geodät in der Regel nur 80% der Bodenfläche auch als Nutzfläche.

Hier kommt dann das Tunnelzelt ins Spiel. Dieses kann mit 90% Nutzanteil an der Bodenfläche aufwarten. Es bietet so die optimalste Platznutzung der Zeltarten. Leider ist dies aber nicht freistehend und nicht ganz so Windschnittig wie die Geodäten. Dennoch für mitteleuropäische Verhältnisse ausreichend. Wer weiter raus möchte, greift zum Tarp. Dies ist ein Zelt für Puristen eine Art Zeltbahn mit Ösen zum Anpassen der Zeltform fürs Gelände. Das Gerüst kann ein Fahrrad sein, oder Felsen und Äste. Ein paar Zeltschnüre und fertig. Im Garten der ganz Harten steht ein Biwaksack. Dies ähnelt einem wasserdichtem Schlafsack mit sehr viel Kopffreiheit. Mit diesem Stichwort geht es weiter:

4. Wassersäule

Diese gibt an, welchen Wasserdruck die Außenhülle durchhält bevor das Wasser durch kommt. Dies ist für den Alltag eines der wichtigsten Argumente. Dabei ist auch der Wert für die Bodenplatte ganz wichtig. Auf dieser lastet der Druck der beherbergten Personen, wenn unterm Zelt angestautes Wasser ist kann das durchdrücken. Bergans hat dafür zum Beispiel einen extra Zeltboden. Ganz Klar sind auch die Nähte ein Problem. Hier kann man entweder mit Tape nachhelfen oder mit Silikonkleber.

Lavvoboden

Wenn das Zelt straff gespannt ist und ohne Mulden, reicht ein Wassersäulen-Wert – in normalen Regengebieten – von 3000 bis 5000 mm beim Außenzelt aus. Der Wassersäulen Wert vom Boden sollte allerdings mindestens 5000 mm sein. In sehr starken Regengebieten aber mindestens 8000 mm besser 10.000 mm. Ist eben auch eine Frage des:

5. Zeltgewichtes

Am Zeltgewicht kann man eigentlich nur sparen, wenn man genau das passende Zelt für den Zweck hat. Mit einem Kuppelzelt mit mittleren Werten für Windstabilität und Wassersäule hat man weniger zu tragen, also mit einem Zelt der gleichen Personenanzahl welches für Expeditionen ausgelegt ist. Das Bergans Lavvo 10-12 ist ganze 2,2 kg leichter als das Personenanzahl ähnliche Bergans Wiglu. Oder dort sogar ein extra Boden mit Transportiert wird. Man sollte sich also genau überlegen wie das Zelt zum Einsatzort kommt. Beim Transport mit dem Schlitten oder Auto spielt das Gewicht wohl weniger eine Rolle als beim “selber tragen”.

Sparen Sie sich Rückenschmerzen, lästiges schleppen lieber – aber sparen Sie nicht an guter Beratung!

markus